Alois Schindl (1887−1975), der Uropa von Katl Heiß, stammte aus Eglsee in Niederbayern, wo er mit mehreren Geschwistern aufgewachsen war. Er arbeitete als Schmied im Leitzachtal und lernte in den 1910er Jahren Barbara Brandhofer kennen, die „Beim Grober“ in Hauserdörfl zuhause war. Eine Zeit lang wartete Alois immer im Gasthof Knabl – der gegenüber der Schmiede lag − auf sie, bis sie mit ihrer Arbeit im Stall oder anderswo auf dem Anwesen fertig war. Der damalige Schmied von Hauserdörfl, Meier oder Meir aus Dürnbach, sprach ihn eines Tages an, ob er nicht bei ihm in der Schmiede arbeiten wolle, statt beim Wirt herumzusitzen. So ergab es sich, dass Alois Schindl neben seiner Hauptarbeit im Leitzachtal auch dem Schmied in Hauserdörfl aushalf.
Um 1914 heirateten Alois und Barbara. Zwei Jahre später kam der gemeinsame Sohn Alois junior (*1915) auf die Welt.
Etwa zehn Jahre später konnte Alois senior dann dem Vorbesitzer, dessen Sohn eine andere Schmiede übernahm, die Schmiede samt Haus abkaufen. Die Zeiten damals waren schwer, die wirtschaftliche Lage verfahren und die mittellose junge Familie musste schwer arbeiten, um den Betrieb zu halten. Alois Schindl senior kümmerte sich vor allem um das Beschlagen von Pferden und richtete Räder für Holzwagen und Fuhrwerke her, die damals mit Eisenringen beschlagen wurden. Anders als heute, wo die meisten Rechnungen pünktlich innerhalb von vier Wochen bezahlt werden, musste die resolute Barbara Schindl vielen Kunden nachlaufen und um Bezahlung bitten. Manchmal zog sich das Ganze Monate und Jahre hin. Einige hatten ihre Schulden schlicht vergessen, andere wiederum gaben ihr Geld nicht gerne her und mussten überzeugt werden. Um noch etwas zu dazuzuverdienen, sammelte Barbara im Sommer Beeren im Wald und verkaufte sie in Zwei-Liter-Kannen, für fünfzig Pfennig oder eine Mark, damit sie einkaufen konnte.
Alois senior interessierte sich damals bereits für Motorräder und baute sogar ein Motorrad der amerikanischen Marke Indian mit 1000 Kubik und 4 PS selbst zusammen. Das Gefährt war so schwer, dass man bergauf absteigen und schieben musste. Außerdem reparierte und verkaufte der Schmied nebenbei Fahrräder. Viele Knechte und Mägde damals sparten ihr Geld und kauften sich davon ein Rad, das dann über viele Jahre hinweg genutzt wurde.
Alois junior wurde ebenfalls Wagen- und Hufschmied und arbeitete lange im Betrieb des Vaters mit. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg verkaufte und reparierte auch er Motorräder. Am 1.8.1940 heirateten Alois Schindl junior und Anna Röpfl aus Agatharied. Die beiden hatten sieben Kinder.
In den besten Zeiten Anfang der 1950er Jahre arbeiteten fünf Schmiede im Betrieb – Alois Schindl senior, Alois Schindl junior, dessen Sohn Alois sowie Alois Priwihl und Peter Faltermeier. Doch Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre wurden die Dienste der Schmiede immer seltener nachgefragt. Im Zuge der zunehmenden Motorisierung kauften mehr Leute eigene Autos und Landwirte schafften sich nach und nach Landmaschinen an. Dadurch brauchten sie keine Pferde mehr für die Arbeit auf den Feldern und im Wald. Wo vorher sieben oder acht Kühe und zwei Pferde im Stall gestanden waren, von denen eine Familie gut leben konnte, fanden sich nach dem Krieg statt der Pferde oft vier oder fünf Kühe mehr. Als große Landwirtschaften galten Höfe mit 25 Kühen, wo man dann auch entsprechend große Maschinen anschaffte. Alois Schindl stieg deshalb in den Verkauf und die Reparatur von kleineren Landmaschinen ein, die damals vollständig mechanisch funktionierten und noch keine Hydraulik hatten.
Ein weiteres neues Tätigkeitsfeld für Schmiede ergab sich in diesen Jahren auf Baustellen. In neu gebauten Häusern der Sechzigerjahre wurden Wasser- und Abwasserleitungen verlegt sowie Warmwasserboiler in der Küche und im Schlafzimmer angebracht. Geheizt wurde dezentral entweder mit Holz oder Öl, das sehr günstig war. In jedem Zimmer befanden sich ein Ofen sowie ein Kamin, an den man ein Ofenrohr anschließen konnte. Warmwasserboiler mit fünf Litern wurden etwa in Schlafzimmern unter dem Waschbecken an der Wand angebracht. Alois fuhr zu den Baustellen mit seinem Herkules-Motorrad, das einen sogenannten Faulenzer als Anhänger hatte, eine Art ausklappbare Werkbank. Auf dieser konnte er Wasserleitungsrohre einspannen, zuschneiden und auch Gewinde schneiden.
Alois Schindl senior starb 1975, nachdem er am Weihnachtstag ein Jahr zuvor, als er mit den Schützen ausgerückt war, einen Schlaganfall erlitten hatte.
Nachdem das Schmiedehandwerk einen Niedergang erlebte, bestand Anna Schindl darauf, dass keiner ihrer Söhne Schmied wurde. Ihr ältester Sohn Alois erlernte zwar das Handwerk noch vom Vater, spezialisierte sich dann aber als Installateur. Eigentlich hätte deshalb der Sohn Franze die Schmiede übernehmen sollen, der eine Autowerkstatt daraus gemacht hätte. Nachdem aber der jüngste Sohn Hubert schon früh von Mopeds und Motorrädern begeistert war und selbst Speedway fuhr, übernahm er 1983 das Geschäft vom Vater. In mehreren Lehrgängen bei den Firmen Zündapp, Puch und Solo, aber auch im Selbststudium eignete er sich das nötige Wissen an, um die Mopeds selbst richten zu können. Die alte Schmiede vom Vater verkleinerte er und nutzte sie als Werkstatt. Daneben richtete er einen Laden ein.
Viele Haushalte kauften sich in den 1960er Jahren zusätzlich zum Auto als Zweitgefährt ein Mofa oder Moped einer der bekannten Marken Kreidler, Herkules oder Puch mit 50 Kubik und einem großen Nummernschild. Dafür brauchte man keinen Führerschein und jeder aus der Familie konnte damit Kurzstrecken zum Beispiel zum Einkaufen fahren. Daneben gab es Mokicks, die bis zu 50 km/h schnell fuhren. Mitte der 1970er Jahre wurde die Helmpflicht für Mofa- und Mopedfahrer eingeführt, damit gingen die Verkaufszahlen dieser Gefährte stark zurück, denn viele Frauen wollten ihre Frisur nicht runieren. Mit dem wachsenden Wohlstand leisteten sich zudem immer mehr Leute ein Zweitauto. Deshalb stieg Hubert Schindl bald gänzlich auf den Verkauf und die Reparatur von Rädern um. In seinem Geschäft „Radsport Schindl“ gab es anfangs noch einen Verleih für Flüssiggasflaschen sowie einen Rasenmäherverkauf, der aus Platzgründen bald eingestellt wurde. Ab 1985 gab es die ersten Mountainbikes, die schnell einen Boom erfuhren und bis zur Aufgabe des Ladens 2004 das Hauptgeschäft von Hubert Schindl ausmachten.
Im Sommer 2024 erfüllte sich Huberts Tochter Katl einen lang gehegten Traum und erweckte die alte Schmiede und ehemalige Radlwerkstatt mit ihrem Café Schmiedn vom Schindl zu neuem Leben. Die historischen Relikte der Schmiede, aber auch der Radlwerkstatt wurden im Raum belassen, der behutsam modernisiert wurde. Ein Lagerraum wurde zur Küche umfunktioniert, Gäste-Toiletten ergänzt und eine Terrasse im Hinterhofgarten angebaut. So gehen die Gäste des Cafés jetzt über den mehr als hundert Jahre alten Original-Holzboden der Schmiede und können zwischen historischen Werkbänken, Hammer, Amboss und Esse ihre Speisen und Getränke genießen.